Kleines Fechtlexikon:

Der Fechtsport bei den olympischen Spielen

Der Fechtsport zählt zu den ältesten olympischen Disziplinen der Gegenwart. In Athen 1896 wurden bereits Einzelwettkämpfe in den Waffenarten Säbel und Florett der Männer ausgetragen. Bei den Olympischen Sommerspielen 1900 in Paris kam das Degenfechten hinzu; seit 1920 in Antwerpen wird in allen drei Waffengattungen auch in Mannschaftswettbewerben gefochten. In Antwerpen sind erstmals Damen bei den Fechtwettbewerben der Olympischen Spiele zugelassen, vorerst nur im Florettfechten. In Atlanta 1996 wird Damendegen, 2004 in Athen schließlich Damensäbel (Einzel) ins olympische Programm genommen. Da bei den Olympischen Spielen nur zehn Entscheidungen im Fechten zugelassen sind, mussten Wettbewerbe gestrichen werden. In Athen waren die Mannschaftsentscheide für Damensäbel und Damenflorett nicht olympisch.

Die Fechtsprache

Die offizielle Sprache des Fechtsports ist Französisch.

Der Ablauf eines Fechtturnieres

Bei Weltcups, Grand-Prix-Turnieren und Weltmeisterschaften sind die Top-16- Fechter der Weltrangliste von der Vorrunde befreit und werden direkt ins 64er- Tableau gesetzt. Alle anderen Fechter werden in Sechser- oder Siebener-Gruppen aufgeteilt. Innerhalb jeder Gruppe ficht jeder gegen jeden. Danach entsteht eine Index-Rangliste aller Vorrundenfechter. Die schlechtesten 20 Prozent fallen aus dem Turnier heraus. Die besten 16 der Index-Rangliste werden nun ebenfalls ins 64er-Tableau gesetzt. Die restlichen Fechter kämpfen dann in einer Direkt- Ausscheidung (k.o.-System) bis 32 Fechter übrig bleiben. Diese 32 plus die Top 16 der Weltrangliste und die Top 16 der Index-Rangliste ergeben das Hauptfeld für den zweiten Wettkampftag.

Die Dauer eines Gefechts

Ein Gefecht der Vorrunde dauert maximal drei Minuten. Wer in dieser Zeit als Erster fünf Treffer landet, gewinnt. Ab der Direktausscheidung dauern die Gefechte maximal neun Minuten. Den Sieg erringt derjenige, der zuerst 15 Treffer gelandet hat. Herrscht nach Ablauf der regulären Gefechtszeit (egal ob Vorrunde oder Direktausscheidung) Gleichstand, wird das Gefecht um eine Minute verlängert. Vor dem erneuten Gefechtsbeginn wird zwischen beiden Fechtern ausgelost, wer Treffervorrecht hat. Sollte in der Verlängerungsminute kein weiterer Treffer fallen, so gewinnt der Fechter mit dem Treffervorrecht. Ansonsten gewinnt der Fechter, der während der 60 Sekunden den ersten Treffer setzt ("Golden Touch").

Der Degen

  • Der Turnierdegen wurde aus dem Duelldegen entwickelt.
  • Er ist maximal 110 cm lang und 770 Gramm schwer.
  • Die Klinge hat einen V-förmigen Querschnitt. Die Glocke hat die Form einer Halbkugel.
  • Der Degen ist eine Stoßwaffe: Treffer sind nur mit der Waffenspitze erlaubt.
  • Der mechanische Schalter an der Waffenspitze muss mit mindestens 750 Gramm gedrückt werden, um den elektronischen Kontakt auszulösen. Leichtere Treffer zählen nicht.
  • Trefferbereich ist der gesamte Körper. Deshalb ist keine Brokatweste nötig, wie im Säbel oder Florett.
  • Beim Degenfechten muss die Fechtbahn leitend sein, damit Fußtreffer von Bodentreffern unterschieden werden können.
  • Da die gegnerische Hand von der Entfernung her am nächsten liegt, zielen vielen Aktionen auf die Hand. Degenfechten erfordert daher ein genaues Auge und gutes Timing.
  • Es gibt kein Angriffsrecht. Wer zuerst trifft, erhält den Punkt. Treffen beide innerhalb von 1/25 sec, so bekommen beide Fechter einen Punkt.

Das Florett

  • Das Florett wurde aus dem Leichtschwert (Rapier) entwickelt.
  • Es ist maximal 110 cm lang und 500 g schwer.
  • Die Klinge ist dünn und biegsam, sie hat einen quadratischen Querschnitt. Die Glocke ist scheibenförmig.
  • Es ist eine Stoßwaffe: Treffer sind nur mit der Waffenspitze erlaubt.
  • Der mechanische Schalter an der Waffenspitze (stumpfer Knopf und Feder mit Hülse) muss mit mindestens 500 Gramm gedrückt werden, um den elektronischen Kontakt auszulösen. Treffer mit weniger Druck zählen nicht.
  • Trefferfläche ist nur der Rumpf. Daher trägt der Fechter eine leitende Weste (Brokatweste) die mit dem Kontakt in der Florettspitze den Treffer elektronisch meldet.
  • Bei einem Treffer außerhalb des gültigen Trefferbereichs (weiße Lampe leuchtet) wird der Kampf unterbrochen.
  • Einen Treffer kann nur der Fechter mit Angriffsrecht landen (siehe Säbel).

Der Säbel

  • Der Turniersäbel wurde aus dem Militärsäbel entwickelt.
  • Er ist maximal 105 cm lang und 500 g schwer.
  • Der Säbel hat eine flache, leichte Klinge, die mit einer Rundbiegung endet. Er hat keinen Treffersensor an der Spitze. Der gesamte Säbel reagiert auf Kontakt.
  • Die Klinge hat einen rechteckigen Waffen-Querschnitt. Die Glocke ist wie eine Halbkugel geformt und hat zusätzlich zum Griff noch einen extra Bügel.
  • Es handelt sich um eine Hieb- und Stoßwaffe: Treffer sind mit der Waffenspitze und der gesamter Klinge erlaubt.
  • Trefferbereiche sind Rumpf, Arme und Kopf. Daher trägt der Fechter eine elektrisch leitende Weste, auch die Maske leitet (mit Ausnahme des transparenten Sichtfensters).
  • Ungültige Treffer werden nicht angezeigt. Der Kampf wird nicht unterbrochen.
  • Nur der Fechter mit Angriffsrecht kann punkten: Einen Treffer erzielt derjenige, von dem der Angriff ausgeht. Will der Angegriffene punkten, muss er zuerst den Angriff abwehren (Parade) bevor er zum Gegenangriff übergehen kann (Riposte).
  • Als Angriff gilt eine Vorwärtsbewegung mit gestrecktem Waffenarm. Sobald der Arm angezogen wird, ist der Angriff beendet.
  • Säbelfechten ist die schnellste Fechtdisziplin.
  • Seit 2000 wird Säbelfechten bei Grand Prixs und Weltmeisterschaften ab dem 32er-Tableau kabellos gefochten.

 

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